Digitalisierung;

Start-Ups als Treiber der Logistikbranche
Verpassen deutsche Logistiker die Chancen der Digitalisierung?

Dass die Logistikbranche vor weitgreifenden und einschneidenden Veränderungen durch die Digitalisierung, beziehungsweise Autonomisierung steht, ist keine neue Erkenntnis mehr. Zahlreiche Kongresse und auch die transport logistic Messe in diesem Monat stellten die Digitalisierung und Logistik 4.0 in den Mittelpunkt. Eine wesentliche Rolle bei den zukünftigen Entwicklungen der logistischen, digitalisierten Geschäftsmodelle spielen Start-Up Unternehmen. Start-Ups können Chance und Risiko zugleich sein. Chancennutzung und Risikominimierung liegen in der Hand der Logistikunternehmen.

Start-Up Fakten

Logistik Start-Ups haben in den letzten zehn Jahren ungefähr 11 Milliarden Euro an Finanzierungen eingesammelt. Im Schnitt werden weltweit pro Woche 1-2 neue Logistik Start-Ups gegründet. Im Kern beschäftigen sich die Start-Ups mit der Fragestellung wie die Datenmenge genutzt werden können, um die Supply Chain mit einer bisher nicht gekannten Transparenz und Effizienz zu revolutionieren. Dabei fokussierten sich 31% der Start-Ups in Deutschland, Österreich und der Schweiz in 2016 auf das Thema Versand und Sendungsverfolgung, 24% mit der Entwicklung von Online-Plattformen und App-Lösungen und 21% mit Daten- und Analyselösungen (1).

Deutsche Unternehmen agieren zu zaghaft

Die Finanzierung von Logistik Start-Ups findet derzeit vor allem in den USA und Asien statt, wo eine entsprechende Start-Up Kultur zum Geschäftsleben dazu gehört. Die deutsche Logistikwirtschaft ist bei Investitionen lokaler Start-Ups bisher mehr als zögerlich (2). Dabei bietet die Kooperation mit Start-Ups eine ideale Grundlage, um die Herausforderungen der digitalen Transformation zu meistern. Start-Ups offerieren nicht nur das IT Know-how zur Entwicklung von neuen logistischen Geschäftsmodellen. Sie können zukünftig auch zu ernsthaften Wettbewerbern werden, wie namhafte Beispiele aus anderen Branchen, wie zum Beispiel dem Handel, zeigen. Vor diesem Hintergrund sollten die etablierten Unternehmen der Logistikbranche eine Kooperation mit passenden Start-Ups zur Nutzung der eigenen Innovationskraft anstreben. Aus eigener Kraft werden die Unternehmen es vermutlich schwer haben dem Tempo der Digitalisierung zu folgen.

Start-Up Kooperation – nicht nur für Konzernunternehmen
Insbesondere der deutsche Mittelstand hält sich bei der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle sehr zurück. Verbunden ist dies mit der Vorsicht vor risikorelevanten Investitionen. Das größte Risiko besteht jedoch darin nicht nur einen Trend zu verpassen, sondern zukünftig die Geschäftsgrundlage zu verlieren. Dass die Kooperation mit einem Logistik Start-Up für erfolgreiche Geschäftsmodelle stehen kann, zeigt der Logistikdienstleister Schober (3). Marktanforderungen und Kundenwünsche werden in Kooperation mit einem Start-Up zu neuen Produkten und Dienstleistungen entwickelt. Dabei hilft eine darauf ausgerichtete unternehmensübergreifende Organisations- und Prozessstruktur, um Projekte schneller, und abseits von gewohnten Denkmustern, voranzutreiben.

Kooperationen mit Start-Ups als Innovationstreiber
Eine Kooperation mit Logistik Start-Up Unternehmen darf sich jedoch nicht auf eine reine Kapitalbeteiligung reduzieren. Es muss die Einsicht und die Bereitschaft vorhanden sein, das bisherige Geschäftsmodell in Frage zu stellen und eine alternative Kundenbeziehung zu entwickeln. Für einen langfristig erfolgreichen Prozess der Digitalisierung und Kooperation mit einem Start-Up sind innovationsorientierte Maßnahmen notwendig:

1. Ein permanentes Change-Management muss eine neue Organisationskultur im Unternehmen entwickeln. Es reicht nicht mehr aus Strukturen den Prozessen folgen zu lassen, sondern Organisationen werden revolutioniert.

2. Führungskräfte werden bei der Digitalisierung, in Verbindung mit der Automatisierung, nicht nur bei einer Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg, gravierende Verschiebungen bei den eigenen Kompetenzanforderungen erleben.

3. Gerade bei den Führungskräften braucht es zukünftig eine alternative Leadership Kultur. Die Symbiose von Mensch und selbstlernender Maschine wird bisherige Leadership Modelle in Frage stellen müssen.

4. In der Kooperation mit Start-Ups ergeben sich neue Ansätze eines unternehmensübergreifenden Talent Managements, im Sinne von Kultur- und Know-how Transfer. Hierzu ist ein neuer Betrachtungswinkel von HR-Management und Personalentwicklung notwendig.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Wir freuen uns über zahlreiche Beiträge.

Quellen: 1,2: Joris D’Inca in Monitor, Das Magazin der Marsch GmbH, Mai 2017, S. 20-21; 3: Monika Hofmann in Markt und Mittelstand, Mai 2017, S.72


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